Die Historische anlage Vesvre

Die anlage

Befindet sich wenige Kilometer von der Loire entfernt zwischen Bourges und Sancerre am Rande zweier bekannter Weinbaugebiete, dem Sancerrois und dem Menetou-Salon. Sie besteht aus einem Erdhügel ( La Motte de Vesvre ) aus dem 10. Jahrhundert und einem Wohnturm (La Tour de Vesvre) aus dem 12. Jahrhundert; beides ursprünglich mit Wohn- und Wirtschaftsgebäuden auf dem angrenzenden Gelände. Beide Bereiche waren vermutlich Jahrhunderte lang getrennte Besitztümer. Der Name „Vesvre“ bedeutet unbebautes Gebiet, Sumpfgebiet. In ganz Frankreich gibt es nur noch zwei vergleichbare Anlagen dieser Art.

La motte de Vesvre - Der erdhügel

Es handelt sich um einen aufgeschütteten Rundhügel mit einem Durchmesser von 40 m und einer Höhe von 12 m. Er war zur Beobachtung der Umgebung und zum Schutz der ansässigen Bewohner bestimmt. Dem dürfte ein auf ihm errichteter Holzturm gedient haben, der nicht mehr erhalten ist. Der Hügel wie auch das davor liegende, ebenfalls aufgeschüttete Gelände ( basse cour) mit einigen Häusern ( villa) und einer kleinen Kapelle, war durch Palisaden, die auf einem Erdwall errichtet waren sowie durch einen tiefen Wassergraben geschützt. Die Anlage war von Beginn an herrschaftlicher Besitz. Seit dem 11. Jahrhundert war sie Zentrum eines mittelalterlichen Lehens der Familie Godfridus de Vabra, einer Familie vielleicht normannischer Herkunft und stand im Eigentum der Herren von Aix d´Angillon. Heute befindet sich der Hügel und das ihn umgebende Gelände in Privatbesitz.

La Tour de Vesvre - der Turm

Das Bauwerk war keine Festung, sondern diente den herrschaftlichen Besitzern ausschließlich zum Wohnen. Der Turm steht etwa 200 m nördlich des Motte de Vesvre. Erbaut wurde er um 1170 von Hugues II. de Vesvre. Das Bauwerk wurde auf sumpfigem Gelände errichtet. Es steht deshalb auf einem Untergrund aus aufgeschütteter und mit einem Geflecht aus Ästen (sog. Faschinen ) befestigter Tonerde. An dieser Stelle befand sich ursprünglich ein sehr viel älterer Herrensitz. Der Turm sowie ein Ende des 15. Jahrhunderts an seiner Westseite angebautes Herrenhaus ( manoir ), dessen Reste Mitte des 20. Jahrhunderts abgerissene wurden, waren von einer sie umgebenden Mauer mit vier Ecktürmen und einem Wassergraben geschützt. Eine Brücke führte zu dem östlich angrenzenden Gelände. Dort wurden Ende des 16. Jahrhunderts zum herrschaftlichen Besitz gehörende, z.T. noch heute in Resten erhaltene Wohn- und Wirtschaftsgebäude mit einem kleinen Turm und einem Taubenturm errichtet. Der Turm wurde seit dem 11. Jahrhundert von den nachfolgenden herrschaftlichen Eigentümern im Laufe der Zeit erheblich verändert.

Den Turm und einige der erhaltenen Wohn- und Wirtschaftsgebäude sowie den Taubenturm hat die Gemeinde Neuvy deux Clochers erworben und im Jahr 2005 teilweise wieder instand gesetzt. Bereits im Jahr 1993 wurde der Tour de Vesvre unter Denkmalschutz gestellt.

Das Bauwerk

Der Turm ist an seinem Fuß 21 m lang und 15,60 m breit und erhebt sich fast 30 m hoch. Die Mauern sind an ihrer Basis 3 m dick und verjüngen sich bis zur Höhe des Wehrgangs in 15 m Höhe auf 2 m. Sie bestehen aus rotem Sandstein ( pierre noire genannt ) aus Vailly und aus der Gegend selbst stammendem Kalkstein. Ursprünglich hatte der Turm nur drei Stockwerke; später wurde er in vier Stockwerke unterteilt. Für den Zugang zu den oberen Geschossen wurden ursprünglich möglicherweise Leitern verwendet, denn für Steintreppen finden sich keine Spuren. Erst Ende des 15. Jahrhunderts wurden Holztreppen eingebaut.

Der Eingang zum Turm befand sich ursprünglich an seiner Westseite neben dem Herrenhaus. Er führte in einen großen mit Steinplatten ausgelegten Aufenthaltsraum mit einem Kamin an der Südwand, der von zwei Fenstern eingerahmt war und später zugebaut wurde. Im Jahr 2004 wurde ein Teil dieser Wand entfernt und die Reste dieses Kamins dadurch wieder sichtbar gemacht. Anstelle der beiden Fenster befinden sich heute die beiden Eingangstüren zum Erdgeschoss. Im 14. Jahrhundert wurde ein durch alle Geschosse führender Zentralkamin eingebaut, der im Erdgeschoss nicht mehr sichtbar ist. Wegen der dadurch entstandenen Belastung und drohenden Absenkung des Untergrunds wurden Ende des 15./Anfang des 16. Jahrhunderts Mauern eingefügt, die den Raum kreuzförmig unterteilen. Ebenfalls aus statischen Gründen wurde im 16. Jahrhundert eine Gewölbedecke eingezogen. Die Nischen mit Rundbögen stammen aus dem 13. Jahrhundert.

1 Obergeschoss

Hier befindet sich ein Saal, dessen Fußboden ebenfalls mit Steinplatten ausgelegt ist und der durch einen großen Kamin, unterteilt wird.. Ende des 14. Jahrhunderts wurde der Raum mit Fensteröffnungen versehen, der Fußboden höhergelegt und in die Decke neue Balken eingezogen, deren Enden mit geschnitzten Tierköpfen ( möglicherweise Wolfsköpfe ) verziert wurden. Ende des 16. Jahrhunderts wurde eine Fensternische zu einem kleinen Gebetsraum umgestaltet. Im 17. Jahrhundert wurden in den Raum Zwischenwände eingezogen.

2 Obergeschoss

Der Boden dieses herrschaftlichen Saales ist ebenfalls mit Steinplatten ausgelegter. Die schönen spitzwinkligen Fensteröffnungen ( Lanzettbögen ) datieren aus dem frühen 13. Jahrhundert. Ende des 14. Jahrhunderts wurde der Fußboden ebenfalls höhergelegt. Die Fensteröffnungen reichen deshalb bis zum Fußboden. Außer dem erhaltenen Zentralkamin sind noch Spuren eines früheren Kamins an der Ostwand sichtbar.

3 Obergeschoss

Auf dieser Ebene verläuft im Innern der Wehrgang, erkennbar an den typischen kleinen Fensteröffnungen. Von einem dieser Fenster bietet sich ein schöner Blick in Richtung Westen auf den Motte de Vesvre und auf das umliegende Land.

Hier erhebt sich kuppelförmig der Dachstuhl auf eine Höhe von 15 m. Er hat die Form eines umgekehrten Schiffsrumpfs. Die Anordnung der Balken in den Eckbereichen erinnern an ein Fischgrätmuster. Der Dachstuhl trägt ein Fußwalmdach. Im Jahr 1999 wurden beide erneuert. Dabei konnte 30 % des ursprünglichen Dachgebälks wiederverwendet werden. Dieses Holz stammt von Eichen, die nachweislich um das Jahr 1482/83 gefällt worden sind und zu diesem Zeitpunkt bereits ein Alter von 250 bis 300 Jahren erreicht hatten.

Der verein zur erhaltung des Tour de Vesvre

ist eine Vereinigung nach dem Vereinsgesetz von 1901 mit Sitz im Rathaus ( mairie ) von Neuvy deux Clochers. Er hat sich die Erhaltung des Tour de Vesvre unter Beachtung des Charakters von Gebäude und Anlage und der Einzigartigkeit des Ortes zum Ziel gesetzt. Ferner organisiert er, unter gewissenhafter Beachtung der Vorschriften über den Denkmalschutz, kulturelle und künstlerische Veranstaltungen sowie Freizeitaktivitäten jeglicher Art, um die Kenntnisse über diesen historischen Ort zu vertiefen und ihn in der Öffentlichkeit bekannt zu machen.